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Meiner Erinnerung nach wurde die Bezeichnung "Experimentalraketen"
erstmals offiziell aus Anlaß des 1. Carl Neubronner-Pokal-Fliegens verwandt, indem man die Experimentalraketenklasse ins Leben rief. Hierbei sollen ein oder mehrere Experimente mittels einer Rakete in die Luft befördert werden, um dann anschließend sicher mit einem Bergungssystem zu landen. Einige Modellraketenbauer sind der Meinung, dass es sich hierbei um Amateurraketen handelt. Sie glauben, dass eine Experimentalrakete grundsätzlich schwer, dick, groß und mit einem starken Antrieb versehen sein muß. Hier irren sie, denn meine persönliche Hochachtung geniessen die Modellbauer die es schaffen, tolle Experimente z.B. in einer 30 oder 40 mm Papprakete unterzubringen. Persönlich habe ich mich aber auf die größeren Modelle spezialisiert, da diese vom Modellbau her einen weitaus größeren Anspruch an mich stellen. Wer diese Art von Raketen baut, sieht in erster Linie die Technik im Modellbau. 500 Arbeitsstunden an einem Experimentalmodell sind keine Seltenheit. Vor allem stehen die Forschung, Entwicklung und der Modellbau im Vordergrund. Bei den Experimenten kann es sich um chemische, physikalische, elektronische oder mechanische Versuche handeln, der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Besonders ist zu beachten, dass aufgrund der höheren Modellgewichte, stärkeren Antrieben und damit verbundenen höheren Geschwindigkeiten besondere Sicherheitsmaßnahmen notwendig sind. Der allgemein bekannte Sicherheitskodex der Modellraketen reicht hier nicht mehr aus. Während bei kleinen Modellraketen (aus Pappe) kein Metall zum Einsatz kommen darf, ist dies hier aus Sicherheitsgründen fast unumgänglich, denn Metall hat doch ein erheblich besseres Verhalten in Stabilität und Festigkeit als z.B. Verbindungen aus Pappe oder Kunststoff. Besondere Aufmerksamkeit und Sicherheit gilt dem Start der Exper.- Rakete. Es ist schon ein großartiges Schauspiel wenn z.B. 10-20 gebündelte Raketenmotoren gleichzeitig gezündet werden und die Rakete fauchend mit einem Schweif aus Feuer und Rauch in den Himmel steigt. Jedoch darf man nie aus den Augen verlieren, dass sich hier einige Kilogramm Masse mit Geschwindigkeiten bis zu 800 Km/h fortbewegen. Daher sind Sicherheitsabstände der Aktiven und der Zuschauer von 100 m und mehr unbedingt einzuhalten. Alle meine Exper.-Raketen ab einem Gewicht von 2 kg sind mit einem Funksicherheitssystem ausgerüstet, das mir im Notfall erlaubt, in fast alle Funktionen der Raketen während des Fluges einzugreifen. Das heißt, dass es mir z.B. möglich ist, den Haupt.-bzw. den Ersatzfallschirm dann, wenn ich es für nötig erachte, zu aktivieren. Weiterhin sollte man bemüht sein, dass eine vernüntige, der Startmasse angepasste Startrampe vorhanden ist. Diese sollte so beschaffen sein, dass man sie in verschiedenen Winkeln postieren kann. Mit dieser Maßnahme ist gewährleistet, dass das Modell z.B mit einem Winkel von 85 Grad von den Zuschauern weg gestartet werden kann und beim Versagen aller Systeme einem die Rakete nicht auf den Kopf stürzt. Zum Abschluß möchte ich nicht vergessen zu betonen, was für ein tolles Hobby meine Kollegen und ich hier ausüben. Es sind unbeschreibliche Momente des Glücks, wenn sich nach einem gelungenen Start die selbstgebaute Rakete in den Himmel erhebt und am Gipfelpunkt sich dann der große und bunte Fallschirm entfaltet. Haben dann auch noch alle Experimente funktioniert, ist das Gefühl der Zufriedenheit kaum noch zu überbieten. |